ABENTEUER MIT KINDERN
Das Buch - ab sofort erhältlich   
 

Ideen, Tipps, Geschichten und Inspiration

Im Blog "Abenteuer-Papa" geht es natürlich um unsere gemeinsamen Abenteuer als Familie, um Ideen und Tipps, aber auch um all die anderen Dinge, die uns als Eltern bewegen. Dabei versuche ich jeden Monat mindestens eine neue Gechichte zu liefern. Schaut einfach ab und zu vorbei! 



28. Mai: Kostenlose Leseprobe aus meinem Buch "Abenteuer mit Kindern": Einfach los - Zwei Tage auf Tour mit dem Wanderwagen.


Bevor ich mit den Kindern zu den ersten Mikroabenteuern aufgebrochen bin, habe ich monatelang von einem richtig großen Ausstieg aus dem Alltag geträumt. Ich hatte sogar einen Plan, wenn auch kein besonders guten. Es war ein kalter Märzabend, Regen platterte auf das Vordach unserer Terrasse. Die Kinder waren im Bett und schliefen - oder besser gesagt: Die Kinder waren seit einer Stunde im Bett, schliefen aber erst seit vier Minuten - und sie waren mit Ausnahme von Josefina auch nicht in ihrem Bett, sondern im Ehebett. Meine Decke und mein Kissen waren dafür bereits ins Kinderzimmer umgezogen. Ich würde also einmal mehr „auswärts“ schlafen.
Jetzt saßen meine Frau Yvonne und ich auf der Couch bei Rotwein mit Käse, Baguette und einen mächtigen Topf Aioli. Ich wartete ein, zwei Gläser ab, dann war der Moment gekommen. Ich verkündete feierlich: „Lass uns ein Jahr aussteigen. Wir reisen mit den Kindern einfach drauf los und entdecken die Welt. Wir zeigen ihnen das wahre Leben. Du als Lehrerin kannst die Kinder unterwegs unterrichten.“ Ich war berauscht von meiner Begeisterung und setzte nach, bevor Yvonne reagieren konnte: „Wir nehmen uns ein Wohnmobil, so wie wir es damals machen wollten, als wir jünger waren“, sagte ich.
Meine Frau stand auf. Sie nahm die geleerte Käseplatte und machte sich auf den Weg in die Küche. Dabei fielen wie nebenbei zwei Worte aus ihrem Mund: „Lass mal.“
Sie sah den Schatten der Enttäuschung auf meinem Gesicht und erklärte liebevoll, aber klar: „Ich bin mit unserem Leben glücklich. Ich will nicht aussteigen.“
Das Thema war erledigt.
Ich machte mich auf die Suche nach einem neuen Abenteuer. Eines, das eine Nummer kleiner war. Und so kamen wir zu unserem ersten kleinen Wander-Abenteuer.
Drei Wochen nach dem Scheitern meines Plans fanden wir uns auf einem Parkplatz am Rande unserer Stadt wieder. Das hier war zugegeben kleiner als eine Reise mit dem Camper um die Welt. Sehr viel kleiner, um ehrlich zu sein. Statt eines Wohnmobils stand ein Fahrradanhänger für Kinder vor mir, den ich zu einem Jogger umgebaut hatte, in dem ich vorne ein extra dafür vorgesehenes Rad dran montiert hatte, so dass der Wagen geschoben werden konnte. Und unser Abenteuer sollte auch nicht ein Jahr dauern, sondern zwei Tage. Statt einmal um die Welt ging es zu Fuß von unserer Heimatstadt Lübeck nach Ratzeburg, einer kleinen schönen Domstadt, die von Seen umgeben ist. Und nach einer Übernachtung in der dortigen Jugendherberge sollte es weiter in das Dorf Groß Zecher am Schaalsee gehen. Das entspricht einer Wegstrecke von etwa 22 Kilometern am ersten und 18 Kilometern am zweiten Tag.
Gut, das war wahrlich nicht der geplante Ausstieg, aber immerhin. Wir waren jedenfalls aufgeregt und voller Vorfreude. Ohnehin neige ich glücklicherweise dazu, Vorhaben, die nicht geklappt haben, nicht lange nachzutrauern, sondern mir schnell neue Ziele zu setzen. Warum muss man auch immer weit weg reisen?, dachte ich mir also. Wer die eigene Heimat zu Fuß erkundet, entdeckt dabei oft ganz neue Ecken, an denen er vorher immer ahnungslos mit dem Auto vorbeigefahren ist.
Ich bin im Lübecker Stadtbezirk Eichholz aufgewachsen, er liegt direkt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und genau hier hatte ich den Opel von Lübeck hinüber in das keine 200 Meter entfernte mecklenburgische Herrnburg gesteuert. Wir waren in die kleine Sackgasse mit dem sympathischen Namen „Fetteck" eingebogen, um zu einem Parkplatz zu gelangen, von dem wir starten wollten. Plötzlich gab es den ersten Aufschrei im Auto. „Ein Reh! Dort. Ein Reh!", rief meine Frau. Und tatsächlich: Wir waren noch gar nicht in der Natur angekommen, das Wild aber schon in der Zivilisation. Es stand in einem kleinen Vorgarten und kaute genüsslich den ersten Frühling vom Beet. Eben noch blühte es kunterbunt, dann waren da nur noch kahle Stängel. Einen Moment schaute uns das Reh gelangweilt an, dann machte es kehrt und verschwand hinter einem kleinen roten Backsteinhaus.
„Was für ein Start!“, frohlockte ich und freute mich auf die Natur und noch mehr Tiere. Ohne zu wissen, dass das nächste Tier eine tote, zehn Zentimeter lange Miniblindschleiche sein würde, die unser Abenteuer das erste Mal gefährden würde.
Wir parkten den Wagen und nachdem ich meinen selbstgebauten Gepäckträger aus Holz auf den Wanderwagen gestellt hatte, schnürte ich unsere Taschen mit Spannriemen darauf fest.



Dann taten wir die ersten Schritte auf die heute grüne Grenze, genau zwischen Lübeck und Mecklenburg-Vorpommern. Eine weite Landschaft tat sich vor uns auf. Das Grüne Band, ein Naturschutzgebiet entlang des ehemaligen Grenzstreifens, überrascht hier oben im Norden Wanderer mit einer einzigartigen Landschaft. Weite Heideflächen, Binnendünen aus feinem Sand, knorrige Kiefernwälder und ein feuchter Auwald zum Fluss Wakenitz hin. Wir waren hier allein so früh am Morgen. Es war wunderschön an diesem Apriltag, aber leider auch noch bitterkalt. Deshalb beschlossen die beiden Kleinen, sie waren damals vier und sechs Jahre alt, auch nicht darauf zu warten, dass sie müde vom Laufen werden, sondern sich sofort mit einer Decke in den Wagen zu setzen. Rund fünf bis sechs Stunden hatte ich für die 22 Kilometer inklusive der Pausen gerechnet. Doch nach 300 Metern hatte ich die Gurte schon zwei Mal neu gespannt, da die Taschen jedes Mal vom Wagen rutschten. Die erste halbe Stunde war um, als ich schließlich die richtige Position gefunden hatte. Nach 700 Metern standen wir in einem kleinen Tannenwald vor fünf Bäumen, die ein Sturm einmal quer über den Weg gelegt hatte. Ein schier unüberwindbares Hindernis für unseren Wanderwagen. Aber auch ein Hindernis, das uns gerade recht kam. Der erste Hauch von Abenteuer. Sofort sprangen Carline und Mats begeistert aus dem Wagen und begannen mit Josefina über die Stämme und durch die Äste zu klettern, während ich unseren Wagen mit purer Gewalt mitten durch das Unterholz des Tannenwaldes zog, um das Hindernis zu umgehen. Nadeln rieselten in meinen Nacken, Zweige schlugen in mein Gesicht. Carline, die eigentlich ohnehin am liebsten die ganze Zeit rennt und redet, und das am besten gleichzeitig, war in der Zwischenzeit bereits zwei Mal hin und her geklettert und flitzte jetzt zwischen den Bäumen umher, um mir eine Lücke zurück auf den Weg zu suchen. Nachdem wir den Wagen über einen letzten großen Stamm getragen hatten, hatten wir es geschafft. Die Kletterpartie hatte auch die Kinder endgültig davon überzeugt, dass so eine Wanderung ganz lustig sein kann. Allerdings, stellte meine Frau nach einem Blick auf ihr Handy fest, ließ unser Tempo etwas zu wünschen übrig. Sollten wir so weitermachen, würden wir die Jugendherberge erst im Dunkeln erreichen.


Während wir durch einen Wald liefen, wurde das Rauschen plötzlich stärker. Wir näherten uns der Autobahn und überquerten die A20 über eine kleine Fußgängerbrücke. Wir waren noch gar nicht weit von zu Hause entfernt und doch in einer ganz anderen Welt unterwegs. Hundertmal waren wir hier mit dem Auto vorbeigefahren, und dachten, alles zu kennen. Aber wir kannten gar nichts. Meist sind wir alle doch nur auf den Straßen unterwegs, reisen über den Asphalt von A nach B. Ich kenne in meinem Stadtteil in Lübeck jede Laterne und jeden Hinterhof und auch in Ratzeburg waren wir schon oft, aber die Welt dazwischen, die abseits der Straßen liegt, über die wusste ich nichts. Und dass obwohl ich 36 meiner zu diesem Zeitpunkt 42 Lebensjahre hier verbracht hatte.
Als sich gerade diese hochphilosophische Erkenntnis in meinen Kopf entfaltete, riss ein spitzer Schrei mich aus den Gedanken. „Iiiih!“ Meine Frau ging hinter mir und als ich mich erschrocken umdrehte, sprang sie gerade känguruartig nach vorn und hüpfte anschließend von einem auf das andere Bein, als würde sie mit den Füßen in einem heißen Holzkohlegrill stehen.
„Was ist?", rief meine große Tochter Josefina.
„Nichts, nichts, nur ein Stock“, keuchte Yvonne, die zwischenzeitlich wieder zum Stillstand gekommen war. Doch ihre Stimme war dabei so nervös und klang, als käme sie durch einen Verzerrer. Es war klar: Sie hatte eine Schlange gesehen. Denn das war ihr wunder Punkt, sowohl erblich bedingt (ihre Mutter leidet auch unter Schlangenpanik), als auch sozialisationsbedingt (als sie Kind war, durfte sie sich einen Kinderfilm in der Videothek aussuchen. Leider war aus Versehen „Die schwarze Mamba“ mit Klaus Kinski anstatt Walt Disney in der Hülle gelandet. Und Schwiegervater hat das erst etwas später bemerkt ... )
Da Josefina die Ophidiophobie in dritter Generation übernommen hatte, erzählte meine Frau ihr lieber nicht, was sie gesehen hatte. Aber wer sie gut kannte, wusste es auch so. Und Josefina hatte mindestens einen Verdacht. Die nächste Stunde verursachte jeder merkwürdig aussehende Stock kurze Panikattacken und „Schlange“ wurde zum meist gesagten Wort. Zumindest kam es mir so vor. Ich versuchte mit genervten, aber zugegeben auch ziemlich einfallslosen Einwänden - „Jetzt guckt doch mal wie schön die Natur hier ist“ - die Stimmung wieder in normale Bahnen zu lenken. Aber es half nichts. Wir waren jetzt alle genervt: Yvonne und Josi von den schlangenähnlichen Stöcken, die die Bäume hier frech auf den Weg gelegt hatten - und ich von Yvonne und Josi.
Über eine kleine Fußgängerbrücke querten wir schließlich die Wakenitz und damit die Grenze von Mecklenburg-Vorpommern zurück nach Schleswig-Holstein. Die Sonne hatte die Kühle des Morgens verdrängt und langsam stieg die Stimmung wieder, denn das Schlangenthema hatte sich vorerst erledigt, und zwar genau in dem Moment, in dem wir die Grenze überquert hatten. Auf der westlichen Seite des Flusses standen zwar ebenso hübsche weiße Infotafeln, die darauf hinwiesen, dass die Kreuzotter sich in den moorigen Wakenitzniederungen äußerst wohl fühlt, aber psychologisch war das hier sicheres Gebiet. Meine Frau hatte nämlich irgendwo gelesen, dass vor allem der ehemalige Todesstreifen im Grenzgebiet für Schlangen mindestens so hip ist wie Berlin für viele Menschen. Jahrzehnte konnten sie sich hier ungestört vermehren und in Ruhe durch die Gegend schlängeln. Im Umkehrschluss bedeutete das Verlassen der einstigen Sperrzone also für sie weniger Schlangen und damit mehr Sicherheit.
Der gemütliche, etwa eineinhalb Meter breite Weg wand sich nun über weichen Waldboden auf der westlichen Seite immer nahe der Wakenitz entlang. Der Fluß wird auch Amazonas des Nordens genannt, da weite Strecken seiner rund 15 Kilometer Länge früher die Grenze zwischen DDR und BRD bildeten und sich seine Ufer so über Jahre unberührt zu einem Urwald entwickeln konnten. Er fließt vom Ratzeburger See fast bis in die Lübecker Altstadt. Für Kanufahrer ist das hier eines der schönsten Reviere, die es in Deutschland gibt. Wir wanderten entspannt flussaufwärts bis zur Mündung am Ratzeburger See. Dort ist eine kleine Insel auf der das Fährhaus Rothenhusen steht. Das historische Häuschen ist von 1583 und beherbergte einst eine Zollstation. Doch so weit ich zurückdenken kann, ist dort eine Gaststätte untergebracht. Ich erinnere mich, wie ich dort mit meinen Eltern vor Jahrzehnten mit Blick auf den leichte Wellen werfenden See auf der Terrasse saß und ein immer etwas mißmutiger Kellner mit schwarzer Weste und gut gebügeltem weißem Hemd den älteren Herrschaften Erdbeerkuchen und ein Kännchen Kaffee servierte. Das historische Haus war in die Jahre gekommen, innen und außen abgewetzt und ramponiert wie ein alter Sontagsanzug, in dessen Taschen noch Taschentücher und Bonbonpapier aus den 50er Jahren vor sich hin welken. Jetzt ist es ein Kunstwerk. Ein Millionär hat es vor wenigen Jahren gekauft und vor dem Verfall gerettet. Das neue Restaurant und Café ist nun in einem reetgedeckten Ensemble untergebracht, das den sanierten Altbau mit einem modernen Neubau verwoben hat. Neben der Terrasse liegt ein kleiner, idyllischer Spielplatz. Ein historischer und nun auch wieder wunderschöner Ort. Hier legten wir unsere erste Pause ein. Nachdem wir Pommes und Kuchen im Fährhaus-Restaurant gegessen hatten, ging es weiter.
Der Wanderweg führte immer am Ufer des Sees entlang. Unsere Laune war jetzt großartig, dank des guten Essens und der jetzt strahlenden Sonne. Links von uns glitzerte das Wasser. Oft führten kleine Stege hinauf, auf die die Anwohner der Seegrundstücke sich eine Bank gestellt hatten, um abends den Sonnenuntergang zu genießen. Während die Kinder sich Stöcker suchten, mit denen sie unterwegs mit viel Freude grünschleimige Algen aus einem kleinen Graben fischten, der uns auf der anderen Seite des Weges begleitete, bewunderten Yvonne und ich die Häuser - und versuchten dem Kontakt mit dem schleimigen Grün zu entgehen, der uns unter Juchzem hinterhergetragen wurde. Von der Landstraße aus waren die Häuser nicht zu sehen, aber jetzt folgte eine Prachtvilla auf die andere, die meisten mit Gärten so groß wie Fußballfelder und kleinem eigenem Zusatzgrundstück direkt am Wasser. An der Badeanstalt in Pogeez wurden gerade die Kanus einer Vermietstation für die Saison geputzt. So waren die Tore geöffnet und wir durften auf der Liegewiese eine verdiente Picknickpause einlegen.
Vorbei an niedlichen hölzernen Fischerkaten mit reetgedeckten Dächern führte der Weg schließlich durch Auenwald und an Feldern und Gärten vorbei. Ich hatte mein iPhone auf den Wanderwagen gelegt und die Sammlung der größten Hits des australischen Folksängers John Williamson angestellt. Es war rundherum still, nur die Vögel zwitscherten und John sang leise „Flower on the water“. Es gibt keine bessere Musik für eine Wanderung in der Natur. Schweigend gingen wir am See entlang. Es gab nichts zu tun. Wäsche, Staubsauger, Rasenmäher und Laptop waren weit weg. Schnell war klar, das war der entspannteste Moment, den wir in den vergangenen Monaten erlebt hatten.
Doch Wandern ist ein wellenförmiges Erlebnis und so hielt die Stimmung ungefähr bis Kilometer 18. Auf Höhe des kleinen Dorfes Einhaus war dann mal wieder ein tiefes Tal erreicht. Es war wie beim Herrn der Ringe, die Gemeinschaft brach auseinander. Yvonne wollte endlich ankommen und setzte sich mit der Großen nach vorne ab. Mats und Carline trödelten nur langsam voran, meine Einladung, in den Joggerwagen zu steigen, damit ich sie schieben und wir so etwas Tempo machen konnten, wurde jedoch schroff zurückgewiesen.
„Nö, ich will nicht in den Wagen, ich will nur meinen Stock“, rief Mats und schwang den morschen Ast wild über dem Kopf, so dass er beinahe seine Schwester skalpiert hätte. Dafür hatte ich eine halbe Stunde später, ausgerechnet als es zum ersten Mal hügelig wurde und ein langer Anstieg bevorstand, die Zwölfjährige im Wagen sitzen. Nachdem sie gefühlte 30 Mal ihr „Ich kann nicht mehr“-Klagelied, begleitet von einem herzzerreißenden Stöhnen, gesungen hatte, erlaubte ich ihr zu testen, ob der Wagen auch ihr Gewicht aushielt. Was soll ich sagen: Er hielt es aus und ich schob schnaufend und schwitzend ein 43 Kilo schweres, vorpubertäres Kind den Anstieg hinauf.
Eine halbe Stunde später traten wir schließlich aus dem Wald. Jubel brandete unter den Kindern auf und griff auf uns Erwachsene über. Den Ort hier kannten wir, links der See, davor eine Wiese und die Straße, die uns direkt nach Ratzeburg hinein führte und auf der die Motorräder knatterten. Ratzeburgs Stadtkern liegt auf einer Insel umgeben vom See und ist berühmt für seine Eisdielen. Und eben diese Eisdielen sind ein beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer. Es war klar: Wir waren am Ziel.
Die Jugendherberge war noch neu und direkt am Wasser gebaut. Es war das erste Mal, dass wir unsere Jugendherbergsausweise nutzten. Wir bekamen ein schönes Sechs-Bett-Zimmer mit eigenem Bad für uns. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, gingen wir in ein Restaurant am Markt und bestellten Berge von Essen. Normalerweise bekomme ich immer noch die Reste von den Kindern, aber die waren nach der Wanderung so hungrig, dass sie diesmal keinen Krümel auf dem Teller ließen. Zurück in der Herberge gingen wir auch gleich ins Bett. Zunächst wechselten Mats und Carline noch ein paar Mal das Nachtlager, da sie sich nicht entscheiden konnten, ob sie im eigenen Bett oder lieber bei Mama oder bei Papa schlafen wollten. Dann fielen wir alle erschöpft in einen tiefen Schlaf.


Am nächsten Morgen stürmten die Kinder in den Frühstückssaal. In der Jugendherberge läuft das etwas anders als im Hotel. Es gibt auch hier ein Frühstücksbüfett, aber anschließend räumt jeder sein Geschirr in die Küche, sortiert es dort in die Spülmaschinenkisten und wischt anschließend seinen Tisch für den nächsten Gast. Während die Kinder zu Hause keine großen Fans derartiger Tätigkeiten sind, waren sie hier begeistert von der Arbeit. Anschließend verstauten wir unsere Lunchpakete im Rucksack und marschierten in Richtung Seepromenade. Es war noch ruhig in den Straßen, nur ein ziemlich eisiger Wind pfiff über den See. Wir gingen immer am Ufer entlang und über einen kleinen Damm gelangten wir an den Rand des Ortes. Ich breitete die detaillierte Wanderkarte auf dem Gepäckträger des Joggers aus, um die richtigen Abzweigungen zu finden. Trotzdem schaute Yvonne andauernd auf ihr Handydisplay und tippte unser Tagesziel in den Routenplaner. 

„Also ich würde nach links über die Brücke gehen“, schlug sie einen alternativen Weg vor.
„Lass das doch endlich mal, ich habe den besten Weg geplant und eine sehr gute Karte, da musst du nicht ständig auf das Handy schauen“, meckerte ich und ging voran.
Die Strafe für meine Besserwisserei folgte einen Kilometer weiter. Rechts tauchte plötzlich wieder der See zwischen den Bäumen auf. Der sollte da eigentlich nicht sein. Mir blieb nichts anderes übrig: Ich musste erstens jetzt selbst auf das Smartphone gucken, zweitens feststellen, dass ich uns in die komplett falsche Richtung geführt hatte, und drittens einräumen, dass der Weg links über die Brücke genau der richtige gewesen wäre. Unter lautem Aufstöhnen der Kinder und begleitet von einem triumphierenden Grinsen meiner Frau traten wir den Rückweg an. Da halfen keine Ausreden, wenn ich mir den Rest des Weges keine Sprüche anhören wollte, gab es nur einen Weg. „Ja, du hast recht gehabt“, räumte ich meine eindeutige Niederlage ein. Wir einigten uns darauf, dass Karte und Handy beide nützlich sind. Die Karte, um den besten und schönsten Weg zu finden, und das Handy, um zu kontrollieren, ob wir auch auf diesem unterwegs waren.
Auf einer kleinen Nebenstraße liefen wir entlang von Feldern und Wäldern nur noch geradeaus. Wir waren so richtig im Tritt, und jeder hing seinen Gedanken nach. Nur einmal schreckten wir hoch, als in kurzer Abfolge immer wieder Schüsse fielen. Für eine Jagd waren das eigentlich zu viele in kurzer Folge. Wir beruhigten uns schließlich damit, dass wohl ein Schießplatz in der Nähe sein würde.
Wir hatten am Morgen beschlossen, dass wir unsere heutige Strecke verkürzen wollten. Noch einmal so lange zu wandern, hätte den Kindern keinen Spaß mehr gemacht. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, sollte man immer bereit sein, seine Ziele anzupassen, denn es soll ja Freude machen und nicht durch falschen Ehrgeiz zur Qual werden. So entschieden wir uns, den kleinen Ort Salem zu unserem Ziel zu machen. Am frühen Nachmittag waren wir da, es ging an einem romantischen See vorbei und die Kinder freuten sich, denn mein Schwiegervater wollte uns auf einem Bauernhof treffen und dann mit dem Auto nach Hause bringen. Der Hof hatte ein Café, einen kleinen Laden und vor allem Ponys auf einer Wiese und einen großen Spielplatz mit einem ausrangierten Trecker. Als wir den Hof erreichten, waren meine Drei gleich wieder voller Elan. Mats kletterte auf den Trecker und spielte Bauer, während die Mädels zu den Ponys stürmten und diskutierten, wem welches Pferd im Spiel gehört und wo wir Eltern zu Hause am besten einen Stall bauen könnten. Yvonne und ich streiften hingegen lieber die Wanderschuhe von den Füßen und studierten die Speisekarte mit den leckeren Kuchen, während wir auf das Opa-Taxi warteten...



Tipps, Tricks und Tatsachen für eine mehrtägige Wanderung vor der Haustür
Jugendherbergsausweise lohnen sich gleich aus mehreren Gründen. Die Mitgliedschaft für eine Familie ist nicht besonders teuer, sie liegt zurzeit bei 22,50 Euro im Jahr. Zugleich ist die Übernachtung in der Jugendherberge meistens günstiger als in einem Hotel. Das Netz der 500 Jugendherbergen allein in Deutschland ist zudem weit verzweigt, so dass sich dort oft eine Übernachtungsmöglichkeit entlang der Strecke finden lässt. Das Schlafen dort macht vor allem Kindern viel Spaß. Meist gibt es noch jede Menge Spielmöglichkeiten, und Eltern müssen heutzutage auch nicht mehr auf die wichtigsten Annehmlichkeiten verzichten. Die meisten Jugendherbergen bieten mittlerweile Familienzimmer mit eigenen Toiletten an. Die Zimmer sollten aber vorher reserviert werden, der Urlaub in der Jugendherberge ist beliebt, und viele Häuser sind schnell ausgebucht. Die einzige für Kinder genau so spannende Alternative ist vielleicht das Zelten auf einem Campingplatz, aber dann müssten auch noch Zelt, Isomatten und Schlafsäcke auf der Wanderung mitgeschleppt werden. Das wird schnell zu viel.

Ein Wanderwagen ist der ideale Begleiter, da es bei einer Mehrtagestour mit der Familie einiges an Klamotten und Proviant zu transportieren gibt und die Kinder nur leichte Rucksäcke tragen sollten. Ein zum Jogger umgebauter Fahrradanhänger ist perfekt, denn er lässt sich auch über unebenen Waldboden leicht schieben. Und das Wichtigste: Bei den größeren Modellen können sich bis zu zwei kleinere oder ein größeres Kind zwischendurch hineinsetzen und problemlos geschoben werden. So gibt es kein immer wiederkehrendes Ich-kann-nicht-mehr-Nörgeln. Wer eine Pause vom Wandern braucht, macht es sich einfach im Wagen gemütlich und hält ein kleines Nickerchen oder plündert das Naschi aus dem Rucksack, während Papa oder Mama fleißig schieben. Deshalb können mit so einem Wagen auch mit kleineren Kindern problemlos größere Strecken bewältigt werden. Wer lieber zieht anstatt zu schieben, kann auch einen Bollerwagen nehmen, in den im Zweifel kleine Kinder und zusätzliches Gepäck passen. Auch das haben wir schon auf einer Tagestour auf dem Heidschnucken-Wanderweg durch die Nordheide getestet. Gute Erfahrungen haben wir dabei mit dem Beachtrekker gemacht, der nahezu auf jedem Untergrund gut zu ziehen und sehr robust ist. Kinder sollten hinten sitzen, da vorne ein Doppelrad verwendet wird, so dass der Wagen bei zu viel Gewicht im vorderen Bereich in einer scharfen Kurve ins Kippen kommen kann. Aber dafür bekommt man schnell ein Gefühl.

Eine Planung der Strecke ist empfehlenswert. Damit die Kinder auch Spaß an der Wanderung haben, sollte ein guter Kompromiss gefunden werden. Zu lange Strecken auf Nebenstraßen oder breiten Wanderautobahnen langweilen die Kleinen schnell. Ein Wechsel aus Feldern, Wald und Dörfern sorgt für Abwechslung. Und Wasser als Begleiter, egal ob Bach, Fluss oder Meer, ist immer ein Höhepunkt. Na klar, mit einem Wanderwagen lässt sich nun mal nicht jedem spannenden Minipfad folgen, da ist man mit Rucksack flexibler. Aber trau deinem Wagen ruhig etwas zu: Wir sind auch auf engen Wegen oft besser vorangekommen als vorher gedacht, und wenn es doch mal richtig schwierig wurde, dann hat das den Spaß am Abenteuer eher gesteigert als gemindert.


20 Kilometer sollte die maximale Etappenlänge im flachen Gelände nicht überschreiten, in hügeligem oder bergigen Gelände sollte es je nach Steigungen deutlich weniger sein. Alles, was darüber hinausgeht, ist für die meisten Kinder zu anstrengend. Und selbst wenn sich die Kinder zwischendurch schieben lassen, braucht man mit Pausen und Zeit zum Spielen mindestens sechs bis sieben Stunden für die 20 Kilometer.


29. März: Träumen von Abenteuern in Skandinavien


Nathalie Klüver ist Bloggerin  ("GanznormaleMama")  und erfahrene Skandinavien-Reisende. Mit ihrer Familie ist sie jedes Jahr in Schweden oder Finnland. Zwar dürfen wir zurzeit wegen der Corona-Krise alle nicht reisen, aber davon träumen ist natürlich erlaubt...viel Spaß mit dem Interview.

 

Nathalie, Du bist Expertin für Reisen nach Skandinavien. In welchen Ländern kennst Du Dich besonders gut aus?
Durch Schweden reisen wir seit dreizehn Jahren jedes Jahr, und Finnland ist so etwas wie eine zweite Heimat, da habe ich Familie, die wir sehr oft besuchen. Nur in Norwegen kenne ich mich nicht aus, da möchte ich aber unbedingt noch hin. Dänemark hingegen ist nicht so viel anders als die Westküste in Schleswig-Holstein. 

Was ist der Unterschied zwischen Finnland und Schweden? 
Finnland ist die Steigerung von Schweden. Es ist noch urwüchsiger, es gibt noch mehr Natur und du hast noch mehr extreme Regionen wie Lappland im Norden. Es ist einfach wilder, wobei es in Schweden auch einsamer und abgeschiedener wird umso weiter du in den Norden kommst. Die Finnen sind zudem als Menschen noch mehr zurückgezogen.

Was empfiehlst du für Einsteiger in den Abenteuerurlaub? 
Schweden ist ganz einfach und schnell zu erreichen. Am besten nimmt man die Nachtfähre von Travemünde. Da fährst du um 22 Uhr ab und bist am nächsten Morgen schon in Malmö oder Trelleborg. Nach Finnland kannst du auch super mit der Fähre fahren.  Mit Finnlines dauert es 27 Stunden über Nacht und die haben einen super Spielbereich. Das ist wie eine Minikreuzfahrt, auch wenn natürlich trotzdem Lkw transportiert werden. 

Wie ist das mit dem Jedermannsrecht, kann man tatsächlich überall übernachten?
Ja, das funktioniert gut,  es gibt auch überall sehr viele Badestellen und unglaublich gutes Kartenmaterial. Wir fahren immer ohne Navi und nur mit den Karten aus den Touristinfos. Da sind auch ganz kleine Straßen eingezeichnet und eben die Badestellen, an denen man meist auch zelten kann. Es gibt oft auch Sanitäranlagen, und wenn es nur ein Plumpsklo ist. Und die sind immer top sauber und auch behindertengerecht. 
Du kannst auch so überall für eine Nacht zelten. Natürlich außerhalb der Sichtweite von Häusern, um niemanden zu stören. Und klar ist auch, dass man seinen Müll wieder mitnehmen muss. Leider haben viele Wohnmobilfahrer das Jedermannsrecht missbraucht und sich dann da zwei Wochen an einer Badestelle eingerichtet. Dafür ist es jedoch nicht gedacht, man darf eigentlich nur für eine Nacht bleiben und auch nicht richtig campen. Durch den Missbrauch gibt es mittlerweile leider viele Stellen mit Wohnmobilverbot, es finden sich aber trotzdem noch genug Plätze für Wohnmobilfahrer.

Welches ist die perfekte Jahreszeit für Skandinavien?
Das Tolle ist, dass es in Skandinavien im Sommer bis Mitternacht hell ist, in Finnland sogar noch länger. Da hast du viel von den Tagen. Es ist auch nicht kalt, wir hatten sogar schon 30 Grad. Zwischen 20 und 25 Grad hast du immer und eigentlich ist es auch meist trocken. Bei uns war nur unsere allererste Schwedenreise, es war unsere Hochzeitsreise in einem alten Bulli, verregnet. Und trotzdem war es immer noch so schön, dass wir süchtig danach geworden sind und jedes Jahr wieder hinreisen. Die Sommersaison ist jedoch kurz. Wenn du auch mal einkehren möchtest und alles geöffnet haben soll, dann musst du zwischen Mittsommer im Juni und Mitte August reisen, denn danach wird es wieder kühler und alles macht zu. Früher sind wir gerne um Midsommer gereist, da die Schwerden dann noch keine Ferien haben.

Wie sieht es mit Mücken in den waldreichen Gebieten aus?
Also am Meer sind natürlich weniger als am See. Aber selbst an den Seen im Inland hatten wir es in 12 Jahren nur zweimal, dass wir vor Mücken geflüchtet sind. Da haben wir aber schon ein paar Kilometer weiter einen neuen guten Platz gefunden.

Welches sind deine Lieblingsregionen in Skandinavien?
In Schweden ist es die Insel Öland, dort gibt es auch tolle, sehr naturnahe und kleine Campingplätze ohne Wohnwagenburgen. Der Klassiker ist Smallland, die Astrid-Lindgren-Region und obwohl es dort sehr touristisch ist, ist es nie überlaufen. Du kannst dort alle Drehorte und auch das Elternhaus von Astrid Lindgren besichtigen. Sehr spannend ist auch der Götakanal mit seinen 16 Schleusenstufen hintereinander. Und die Schären sind auch sehr schön. Ich mag besonders die vor Göteborg, sie sind sehr kahl und felsig. Mein Vater hat sein Ferienhaus auf einer der Inseln vor Turku. Da erscheint die Ostsee eher wie ein großer See, du kannst von Insel zu Insel paddeln und Ferienhäuser mieten, bei denen du eine ganze Insel für dich hast. Auf leeren Inseln kannst du auch mit dem Zelt übernachten. 

Hier geht es zu Natalies Lieblingsorten in Schweden

Und hier nimmt Natalie euch mit zu den finnischen Schären vor Turku


29. Februar: Fünf Fragen an die Expertin für das Reisen mit Kindern - Gabriela Urban


Die Bloggerin Gabriela Urban („Mami bloggt“) ist Expertin für das Reisen mit Kind. Mit ihrem Sohn war sie schon an den faszinierendsten Orten der Welt. Ihre Leidenschaft für das Reisen und Schreiben hat die Journalistin schließlich genutzt, sich selbstständig gemacht und sich einen Traum erfüllt. Sie wollte schon immer ein Buch schreiben, jetzt gibt es sogar schon zwei. Als erstes erschien „Wie  Buddha im Gegenwind – eine Kündigung, 22 Länder und ein besonderer Reisebegleiter“, dann folgte „Wenn ich groß bin, werd' ich auch ein Machu Picchu.“, das am 9. März offiziell erscheint.  Worum es darin geht? Na klar, um das Reisen mit  Kindern. Das Besondere: Das neue Buch ist im wahrsten und positivsten Sinne ein wunderbarer "Rundumschlag":  Es führt den Leser in die unterschiedlichsten Ecken der Welt, ins nahe gelegene Spanien, in die die USA, nach Kambodscha, Indonesien, Russland, Australien und an viele Orte mehr. Überall teilt die Autorin mit dem Leser ihre Erlebnisse, gibt ihre Erfahrungen weiter (Fünf Dinge, die ich in... gelernt habe) und verrät in einem Steckbrief zu jedem Land die wichtigsten Tipps zum Reisen mit Kindern.

Für mein Buch "Abenteuer mit Kindern" habe ich Gabriela zum Thema "Reisen mit Kindern" interviewt. Hier gibt es einen exklusiven Auszug aus dem Gespräch. Viel Spaß beim Lesen!


Welches sind die schönsten Momente auf euren Reisen?

Das sind sehr, sehr viele. Dabei geht es fast immer um den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Viele ferne Länder sind sehr kinderfreundlich. Die Menschen haben dort ein anderes Verhältnis zu Kindern, die sind oft nicht so distanziert wie bei uns in Deutschland. Da wird das Kind sofort auf den Arm genommen und geknuddelt. Das ist für uns deutsche Eltern manchmal gewöhnungsbedürftig, da wir ja eher Distanz halten. In diesen Ländern sind Kinder aber wie ein Türöffner, durch den der Kontakt zu den Menschen entsteht. Denn umso weiter man sich von Deutschland entfernt, umso exotischer muten unsere Kinder dort ja an. Ich habe mit meinem Sohn so unglaublich viele nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Ich erinnere mich, wie wir in Kambodscha in ganz arme Hütten eingeladen wurden. Wir bekamen Bananen geschenkt und meinem Kind wurden die Tiere gezeigt. Das ist eigentlich immer das Schönste, mein Sohn bringt das Eis zum Schmelzen und die ganze kulturelle und sprachliche Differenz verschwindet.


Welche Vorbereitungstipps gibst du Eltern?

Mein allererster Tipp: sich nicht verrückt machen lassen und Ruhe bewahren. Mein zweiter Tipp: am besten mit Checklisten arbeiten, denn umso weiter man weg fährt, an umso mehr muss man denken, also zum Beispiel Impfungen, Dokumente, Reiseapotheke, Gepäck… Checklisten geben dir das Gefühl, dass du alles in der Hand hast, sowohl physisch als auch psychisch. Eine Checkliste kannst du abarbeiten, egal wie flatterig du dich fühlst. Die Gefahr, dass du etwas Wesentliches vergisst, ist viel geringer als ohne Checkliste. Mein dritter Tipp: Wenn es eine Abenteuerreise ist und du nicht gerade mit dem Camper unterwegs bist, gilt: umso weniger Gepäck umso besser. Wenn Du eine Rucksackreise durch Sri Lanka (Foto) machst, dann ist es wirklich schön, wenn du wenig Gepäck dabei hast. Nimm also so wenig wie möglich mit. Meine Erfahrung sagt: Für das Kind reicht Kleidung für eine Woche, für dich selber für fünf Tage. Man kann die Klamotten auch wunderbar mit der Hand waschen. Ich nehme da Gallseife, das klappt super. Auch Spielsachen würde ich nicht zu viel mitnehmen, denn im Urlaub sind die Kinder ja auch so abgelenkt. Die Kinder können Steine sammeln oder Tiere beobachten. Es tut ohnehin auch mal gut, nicht immer die materiellen Spielsachen zu haben, sondern auch andere Spielideen zu entwickeln. Mein vierter Tipp: Statt eines allgemeinen Reiseführers würde ich gezielt nach Infos auf Familienblogs oder nach Büchern zu Urlaub in meinem Reiseland mit Kindern suchen.

Welche Reiseziele empfiehlst du Einsteigern für einen

Abenteuerurlaub mit Kindern? 

Außerhalb Europas ist Bali sehr beliebt. Das kann ich auch sehr empfehlen, dort gibt es einen guten Mix zwischen Exotik und westlichem Standard, und es ist auch relativ günstig, obwohl es mittlerweile touristisch geworden ist. Man kann dort gut rumreisen, das Land ist sehr vielfältig. Thailand gehört auch zu den empfehlenswerten Reisezielen, ist aus meiner Sicht aber schon zu touristisch. Sehr gut für Familien ist Malaysia. Das Land ist zudem ganzjährig bereisbar. Die Westküste eignet sich im deutschen Winter, die Ostküste im deutschen Sommer. Malaysia hat einen guten Standard, es gibt gute Supermärkte, in denen man für Babys und Kinder alles kriegt. Natürlich sind auch Südafrika und Australien abenteuerliche, aber leicht bereisbare Regionen.



Hast du für die, die nicht so weit weg wollen oder nicht fliegen mögen, Geheimtipps für Europa jenseits der klassischen Urlaubsregionen?

 Ja, Albanien ist wunderschön. Ich gucke immer, dass ich nicht in Regionen reise, die touristisch total überlaufen sind wie Mallorca. Denn die Menschen freuen sich nicht auf dich, wenn du da hinkommst. Mir geht es aber um den Kontakt mit den Menschen. Deshalb wähle ich gerne Reiseziele, die touristisch gerade erst oder noch gar nicht im Kommen sind. Unser Erzieher im Kindergarten ist Albaner und hat sein Heimatland empfohlen. In Albanien habe ich mich unheimlich sicher gefühlt. Wir haben ein Auto gemietet und sind herumgereist. Das Land ist sehr vielseitig, es gibt wunderschöne Berge, eine große Küste, touristische, aber auch einsame Strände, Städte, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die Häuser und Gassen sehen dort ganz anders aus, viel ursprünglicher. Du bekommst für die Kinder aber auch westliches Essen. Georgien ist ähnlich wie Albanien, vielleicht noch einen Tick exotischer, im Kaukasus kannst Du toll wandern und auch die Schwarzmeerküste ist mit Kindern sehr empfehlenswert. Und dann ist da noch der Kososvo. Ich wusste nichts darüber, habe den Kosovo immer nur mit dem Krieg in Verbindung gebracht. Es gibt dort keinen Strand, aber sehr schöne Städte, viele Wandergebiete und ursprüngliche Dörfer. Der Kosovo ist ein ganz tolles Reiseziel und unheimlich günstig.


Wenig Gepäck ist gut, aber was sind die fünf bis zehn Dinge, die ihr immer und unbedingt dabei haben müsst?  Rucksack, Reiseapotheke (je weiter und exotischer das Land, desto besser ausgestattet), Fleecedecke, Karabinerhaken, Schnuffeltuch, Handy mit lokaler Sim-Card, unterschriebene Reisevollmacht von meinem Mann und ausreichend Sonnencreme





11. Dezember: Expedition zum "silberroten Dings"

 

Mein kleiner Sohn Mats und ich gingen über die Wiese hinter unserem Haus, als dieses Gefühl aus meiner Kindheit zurückkehrte. Es war ein milder, nieseliger Tag, verloren irgendwo zwischen Herbst und Winter. Wir stapften durch das nasse Gras auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Flussufer. Dabei kamen wir an einem Moorwald vorbei. Er ist durchwachsen wie ein Urwald, abgeknickte Äste und tote Bäume halten ungebetene Besucher wie Schranken fern. Wie um eine Burg liegt um den Wald herum ein schützender, sumpfiger Graben.  


"Was ist das silberne und rote da, das so glänzt", fragte Mats plötzlich und zeigte in das undurchdringliche Moor hinein. Ich blickte zwischen den Bäumen hindurch und tatsächlich hing da etwas in den Ästen und flatterte im Wind. Wir gingen so nah an den Graben heran wie es ging, konnten es aber nicht erkennen. Da spürte ich plötzlich wie dieses Kindheitsgefühl in mir zurückkehrte. In Mats Augen sah ich, dass es ihn auch ergriffen hatte. Was für sein Alter auch normal war, ich hingegen hatte es schon lange nicht mehr gespürt. Es gibt dafür keinen Namen. Es ist die Macht der Fantasie, die einen ergreift. Wir sahen dieses glänzende silberrote Dings und spürten beide: Das ist unser Abenteuer. Wir müssen eine Expedition organisieren, um herauszufinden, was dort im Moor verborgen ist. Könnte es ein Schatz sein? Plötzlich tauchten all die Erinnerungen auf, wie ich selbst als Kind mit Freunden durch den Wald gestromert bin, um Abenteuer zu erleben. Wir schlichen uns mit Taschenlampen in alte Bunker, weil wir hofften Relikte aus dem Krieg zu finden. Wir fuhren mit einem Boot zu einer Insel auf einem Waldsee, weil wir fest davon überzeugt waren, dass noch nie ein Mensch vor uns diese kleine Insel betreten hatte. Wie erwarteten, archäologische Schätze zu finden. Natürlich fanden wir am Ende nie etwas, aber das ist nicht wichtig. Die Schatzsuche und nicht der Schatz waren das Erlebnis.

Natürlich konnte ich mir auch jetzt mit dem Verstand des Erwachsenen denken, dass es sich bei dem funkelnden Dings um einen Luftballon von einer Hochzeit oder einem Jahrmarkt handelte, der im Wald niedergegangen war. Na und? Als Kind hatte ich durch so einen Luftballon selbst einen Brieffreund gefunden. Wer weiß, vielleicht würde an diesem ja auch eine Nachricht hängen. Wenn es denn überhaupt wirklich ein Ballon ist, noch wussten wir es ja nicht genau.

Mats sprach in den nächsten Tagen immer wieder von dem "silbernen Dings". Er wollte unbedingt wissen, welches Geheimnis dahinter steckte. Wir überlegten eine Brücke über den Graben zu bauen. Verwarfen den Plan aber wieder. Er war zu breit und zu tief. Schließlich gingen wir immer weiter um den Wald herum. Wir sahen unser Ziel schon gar nicht mehr, als wir eine Stelle fanden, an der der Graben trocken lag. Hier krochen wir durch verwelkte Sträucher hindurch. Wir hatten unsere längsten Gummistiefel an. Vorsichtig tasteten wir uns am inneren Rand des Grabens entlang. Mit Stöckern und Tritten prüften wir, ob vor uns kein verstecktes Moorloch lag. Mats ging direkt hinter mir in meinen Fußstapfen oder an meiner Hand. Zum Glück war der Moorwald an dieser Stelle aber nur matschig. Wir suchten immer wieder kleine Pfade anhand der Spuren der Wildschweine und Rehe, die hier hindurch gelaufen waren. Die wohnten schließlich hier und würden wohl den besten Weg kennen. 


Nach etwa zwanzig Minuten tauchte das "Dings" auf. Es schien tatsächlich ein zerissener Ballon zu sein.

"Davor ist Sumpf, Papa", sagte Mats.

Verdammt, der Baum stand tatsächlich im Wasser. Mein Sohn stellte sich auf eine trockene Insel und hielt Wache. Ich schnappte mir einen alten, bestimmt drei Meter langen Ast, balancierte über einen morschen Baumstumpf und angelte nach dem Ballon. Nach einigen Minuten bekam ich ihn zu fassen. Mit der Spitze hievte ich ihn zu meinem Sohn auf das Trockene.

"Da ist eine Papiertüte dran", rief er aufgeregt. Er hatte Recht. Vorsichtig öffneten wir das Täschchen, das einem Band baumelte, fanden aber nur nasses Laub.


"Schade", sagte Mats etwas enttäuscht.

"Trotzdem war unsere Expedition erfolgreich, den wir haben das silbernrote Dings gefunden", sagte ich - und wir schlugen beide ein.

"Ja", sagte Mats schon wieder fröhlich, "und den Ballon nehmen wir mit"

"Na klar, wir lassen doch keinen Müll im Wald liegen."

"Das ist kein Müll, sondern mein Schatz, den will ich behalten."

Ich lachte.

"Okay, dann nehmen wir ihn mit nach Hause." 



03. November 2019 - Zehn Gründe warum der November ein großartiger Outdoor-Monat ist

Okay, draußen regnet es mal wieder und es sieht auf den ersten Blick so aus, als hätte jemand die Welt in einem matten Mausgrau angepinselt. Das ist Anlass genug, heute ganz dringend ein paar Worte zum bevorstehenden November zu verlieren. Für 46 Prozent der Deutschen ist es der unbeliebteste Monat des Jahres, er gilt als "kalter Regenmonat". Es scheint also nicht die beste Zeit zu sein, um Outdoor-Abenteuer mit der Familie zu unternehmen. Ich sage: Gebt dem Herbst-Blues keine Chance und habe zehn gute Gründe gefunden, warum wir auch im November mit den Kids raus gehen sollten:


1. Der November ist besser als sein Ruf: Unser subjektives Bild vom elften Monat des Jahres deckt sich nicht mit den Wetterdaten. Im beliebtesten Monat der Deutschen, im Mai, gibt es im Mittel genau so viele Regentage (nämlich 11) wie im November und es fällt in der Menge sogar mehr Niederschlag. Außerdem ist e im Mittel im November nicht viel kälter als im März. 


2. Der Wald ist der beste Regenschirm. Wenn es regnet, mag es auf den Straßen ungemütlich sein, aber im Wald sind die Bäume noch nicht kahl und bieten einen wunderbaren Schutz vor dem Regen. Da braucht es oft noch nicht mal einen Schirm.


3. In der Natur gibt es jetzt unglaublich viel zu entdecken. Die Bäume verlieren ihre Früchte. Eicheln, Kastanien, Bucheckern oder Fichtenzapfen können gesammelt werden. Dazu wachsen überall die verchiedensten Pilze aus dem Boden. Die solltest Du aber nur sammeln, wenn Du Dich wirklich damit auskennst...


4. Von wegen grau: Gerade im Wald ist es jetzt richtig bunt. Die Blätter sind jetzt gelb, rot oder orange. Der Grund: Da Chlorophyll wird abgebaut und es treten die anderen Farbstoffe zutage, die bisher von Chlorophyll quasi überdeckt wurden.


5. Nicht nur im Wald, auch am Strand ist es jetzt am aufregendsten. Zwar können wir im November nicht mehr schwimmen gehen, dafür sorgen aber jetzt die ersten Herbststürme dafür, dass viel Treibgut angespült wird. Da kann man wunderbar auf Schatzsuche nach Lochsteinen, alten Schiffsbrettern oder Donnerkeilen gehen.


6. Egal ob im Wald oder am Meer: Echte Abenteurer sind außerhalb der Zivilisation unterwegs, und genau dieses Gefühl beschert uns der November. Wenn wir im Friesennerz bei Nieselregen durch den Wald oder am Strand entlang laufen, ist es oft richtig schön einsam. Denn die meisten Menschen glauben ja weiterhin, dass der November der schrecklichste Monat ist und bleiben zuhause sitzen. Nur wir wissen es besser...


7. Und wenn es wirklich nass und kalt ist? Egal, so ein Herbstwetter erfrischt. Und ehrlich, was gibt es Schöneres, als nach so einer nasskalten Abenteuertour zuhause gemeinsam heißen Kakao zu trinken (Mama und Papa auf Wunsch auch als Lumumba mit einem Schuss Rum oder für erwachsene Kaffeetrinker ein norddeutschen Pharisäer, also Kaffee mit Rum und Sahne)


8. Niemand liefert so romantische Bilder wie Nebel und Raureif an einem Novembermorgen. Wie wäre es jetzt mit einer Fotosafari oder einer Nebelwanderung?


9. Die Felder sind abgeerntet und die Rehe fressen sich ihren Winterspeck an. Da kommen die Reste auf den Feldern gerade recht. Es gibt kaum einen anderen Monat, in dem wir so viele Rehe auf der offenen Fläche zu sehen bekommen. Also Augen auf und Fernglas einpacken.


10. Du möchtest ein richtiges November-Abenteuer? Okay, wenn Du im Urlaub nicht unbedingt am Strand liegen und Sonne tanken möchtest, könnte jetzt der beste Zeitpunkt für euren Roadtrip sein. Da sonst kaum jemand im Urlaub ist, reist Du antizyklisch. Die Ferienorte in Frankreich oder Spanien sind also nicht mehr überlaufen, die Preise sind niedriger, es ist leichter Kontakt zur einheimischen Bevölkerung zu bekommen und es gibt vor allem noch genug freie Zimmer in Hotels. Das bedeutet, ihr könnt auf gut Glück reisen ohne lange vorher alles zu buchen. Ihr bleibt ein paar Tage an dem einen Ort und schaut dann, wo das Wetter schön ist oder worauf ihr Lust habt und bucht kurzfristig den nächsten Stop. Mehr Freiheitsgefühl gibt es nicht!


19. Oktober 2019  - Es geht los! Willkommen!

Liebe Leute,

heute ist Tag eins für diesen Blog, aber Tag 663 - oder so ähnlich - unseres Abenteuers als Familie. Das klingt viel, ist es aber gar nicht, nicht mal ganz zwei Jahre. Für einen Mittvierziger wie ich es bin, ist das eigentlich nur ein flüchtiger Moment, weil viele von uns im Karussell des Alltags die immer gleichen Runden drehen. Ich kann jetzt auch nicht von mir behaupten, dass ich mich aus meinem Hamsterrad befreit hätte wie Harry Houdini aus der Kiste. Aber doch ist damals etwas passiert, das meinen und am Ende unseren Alltag bereichert und verändert hat. 

Ich erinnere mich noch ganz gut an diesen Tag, es war kurz bevor das Frühjahr begann. Ich arbeitete als Redakteur in einer Führungsposition bei einer großen Zeitung in Lübeck an der Ostsee. Ich liebe meinen Job und "mein Blatt", aber ich war ziemlich gestresst, kam abends spät nach Hause und hatte jedes zweites Wochenende Dienst. Mir fehlte Zeit für meine Kinder Josefina, Carline und Mats, die damals 11, 6 und drei Jahre alt waren. Doch finanziell gab es nicht die Möglichkeit in Teilzeit zu wechseln oder ein Sabbatical einzulegen. Ich beschloss, die wenige Zeit mit der Familie einfach intensiver zu nutzen. Mit den Kindern öfter raus in die Natur zu gehen, im Wald mal den Weg zu verlassen und Dinge zu machen, die wir noch nie gemacht haben. Dafür braucht es nicht immer weite Reisen. Eines unserer ersten grandiosen Abenteuer führte uns im darauf folgenden Sommer ... -auf das Trampolin in den Garten.


Die Kinder wollten schon lange mal gemeinsam mit mir unter dem freien Himmel mit Blick auf die Sterne schlafen. Bisher hatte ich immer eine Ausrede gefunden, doch diese Zeit war jetzt vorbei. Wir holten die Schlafsäcke aus dem Keller und zogen in den Garten. 

Es war faszinierend wie dieser Blick in den Himmel die Gedanken der Kinder anregte. Von ganz alleine begannen sie plötzlich von Unendlichkeit, fernen Planeten und sogar dem Sterben zu sprechen.  

Ich glaube, wenn wir sterben, kommen wir zuerst in eine Art Kino. Dort schauen wir uns unser ganzes Leben noch einmal an“, sagte Josefina, „danach kommen wir in den Himmel. Dort sieht die Welt genauso aus wie hier, nur dass dort alle leben, die verstorben sind. Unser Alter, in dem wir dort weiterleben wollen, können wir uns dann aussuchen.“

Also ich denke, dass wir da oben im Himmel alle Engel sind und dem Weihnachtsmann helfen. Der hat ja so viel zu tun und hier auf der Erde gibt es ja keine Engel, also müssen sie ja da oben sein“, erklärte Carline. Dann überlegte sie kurz und sagte: „Aber wenn das mit dem Kino stimmt, dann muss ich die ganze Zeit heulen.“
„Warum?“, fragte ich.

„Na, weil mein Leben so schön war!“, sagte Carline und lächelte breit.
Jetzt hätte ich fast heulen müssen und ein bisschen feuchte Augen hatte ich wohl auch. Jedenfalls wusste ich, dass das mit dem Übernachten auf dem Trampolin eine gute Idee gewesen war. 

Und das mit den Abenteuern auch, denn sie schenken uns allen nicht nur unvergessliche Erinnerungen, sondern sie sorgen auch dafür, dass die Zeit nicht mehr wie ein flüchtiger Moment verfliegt. Ich habe das Gefühl, jede Menge Lebenszeit zu gewinnen. Erinnert Euch an Eure Kindheit, da war ein Sommer unglaublich lang und ein Jahr erschien uns wie die Unendlichkeit. Der Grund war, dass wir als Kinder ständig neue Erfahrungen gemacht und Dinge zum ersten Mal erlebt haben. Dieses Gefühl können wir uns gemeinsam als Familie zurückerobern. Wir müssen nur aufhören Dinge aufzuschieben und in unseren durchgelatschten Erwachsenenschuhen auf ausgetretenen und immer gleichen Wegen herumzulaufen. Also, raus mit uns.

PS: Letzten Sonntag war ein verregneter Herbsttag, und die meisten Leute, dich ich kenne saßen mit höchstens durchschnittlicher Laune auf ihrer Couch. Mein Sohn Mats und ich haben bei Regen im Wald in der Hängematte gelegen und die Regentropfen beobachtet, wie sie durch das Blätterdach zu uns herunter fielen. Wenn uns Spaziergänger gesehen haben, werden Sie uns wohl für ziemlich durchgeknallt gehalten haben. Tatsächlich war es einer der großartigsten verregneten Herbsttage, die wir je erlebt haben...


Nächste Folgen:

Was ist eigentlich ein Abenteuer?

Wie wir ohne ein Hotel zu haben nach Spanien fuhren

 
 
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